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Portuqual quält Frankreich weg

Frankreich, Paris
10.07.2016
Von Jürgen Herda und Europe Online    auf Facebook posten  Auf Twitter posten  
Grand ennui in Saint-Denis: Schlechtester Europameister seit Rehaklis
Es gibt drei Fragen zu diesem Finale: Wie in aller Welt konnte La Mannschaft gegen die weitgehend harmlosen Franzosen verlieren? Läutet diese grässliche Beton-Renaissance der Portugiesen das Ende des erfrischenden Offensivspektakels der WM in Brasilien ein? Und ist CR7 der neue Trainer des Europameisters der Unentschieden, Verlängerungen und Schmierenkomödien?
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Für die Silberschüssel musste CR7 nur rund sieben Minuten arbeiten, dann verabschiedete er sich als Sportinvalide. Stimmt nicht ganz: Ronaldo arbeitete an der Seitenlinie deutlich engagierter als Trainer Santos, den er zu dessen Missfallen auch noch begeistert schüttelte.
Portugal nimmt den EM-Pokal 2016 mit nach Hause.

Saint-Denis (jrh/dpa) - Portugal hat sich nach dem Tränen-Drama um Cristiano Ronaldo mit dem ersehnten ersten EM-Titel gekrönt und Gastgeber Frankreich in Schockstarre versetzt. Eines vorweg: Fußball ist ein Spiel, der Ball rund, also glitschig und im Grunde unberechenbar und deshalb nur partiell kalkulierbar – dass Gignacs Ball kurz vor dem regulären Ende vom Innenpfosten ins Feld sprang, ist nichts anderes als wenn die Roulette-Kugel nochmal die Farbe wechselt.

Portugal hat in früheren Turnieren mutigen, attraktiven Offensivfußball geboten – und ist unglücklich 2004 im eigenen Land am Eisenbetonmischer Rehaklis gescheitert. 12 Jahre später hatte die Mannschaft des Fußballzerstörers Fernando Manuel Costa Santos dem Turnier wenig Erfreuliches zu geben – das Team des Trainers, der trotz atemberaubend schlechter Leistungen in der Vorrunde daran festhält, „alles andere als die Europameisterschaft ist eine riesige Enttäuschung", war kurz vor Ende des dritten Gruppenspiels so gut wie ausgeschieden – nach Remis gegen Island und Österreich stand es gegen Ungarn 2:3, ehe CR7 mit dem Ausgleich seinem mürrischen Gehilfen am Spielfeldrand den Kopf rettete.

Ins Finale gewürgt
Mit drei Unentschieden, einem Siegtreffer in der 117. Minute im Achtelfinale gegen Kroatien, einem Sieg im Elfmeterschießen gegen Polen und dem einzigen Erfolg in der regulären Spielzeit gegen den strukturellen Zweitligisten Wales quält sich Portugal ins Finale – und setzt dort die Abwehrschlacht fort. Torchancen erst in der Verlängerung.
Bacary Sagna nach der Niederlage im EM-Finale gegen Portugal.

Auffälligste Aktionen jenseits des bitteren Aus von Cristiano Ronaldo: unsportliches Schmierentheater von Pepe, Nani, Eder und Mourinho, die sterbender Schwan spielen, sobald ein Gegenspieler in Hörweite ist. Höhepunkt: Das Gelb gegen Koscielny nach Handspiel von Eder. Fairplay? Fehlanzeige. Fußball zum Abgewöhnen.

Passende Antwort in Russland
Es ist nicht einfach, sich mit diesem Ergebnis zu arrangieren. Man könnte mit einem Europameister Belgien, das zwei gute Spiele geliefert hat, mit einem Champion aus Spanien, das in Ansätzen seine Klasse gezeigt hat, mit einem Heimsieger Frankreich leben – auch wenn viel dafür spricht, dass Deutschland in Bestbesetzung das beste Team gewesen wäre.

So aber steht zu befürchten: Dass Santos auch noch Recht behält, ermutigt alle Fußballzerstörer dieser Welt, sich bis ins Elfmeterschießen zu verbarrikadieren. Mit Jogi Löw bleibt da nur das innere Exil, nachdenken, ob man sich ganz vom Fußball verabschiedet – und dann der neue Anlauf in Russland und eine passende Antwort auf das Portugewürge.

Hand-Eder im Glück
Joker Eder wurde im Final-Krimi der Fußball-Europameisterschaft mit seinem Fernschuss-Treffer beim glücklichen 1:0 (0:0) nach Verlängerung zum gefeierten Helden. Der Équipe Tricolore um Torschützenkönig Antoine Griezmann blieb hingegen der dritte EM-Titel nach 1984 und 2000 verwehrt.
Portugals Eder feiert seinen 1:0 Siegtreffer im EM-Finale gegen Frankreich.

Superstar Ronaldo wurde nach einem bösen Zusammenprall mit Dimitri Payet bereits nach 25 Minuten verletzt vom Platz getragen, weinte wie beim verlorenen EM-Endspiel 2004 bitterlich - und durfte am Ende doch auf der Bank wie entfesselt jubeln. Mann des Abends vor 75 868 Zuschauern im Stade de France war der spät eingewechselte Eder vom OSC Lille, der in der 109. Minute aus der Distanz flach ins linke Eck traf und seine krisengeplagte Heimat ins Glück stürzte.

Franzosen spielen zu deutsch
Frankreichs Erfolgscoach Didier Deschamps hatte auf die Startelf vertraut, die zuvor schon Island und Weltmeister Deutschland aus dem Turnier befördert hatte. Die starke Bilanz von zehn Siegen in den vergangenen zehn Spielen gegen Portugal verlieh den Franzosen zusätzlich Selbstvertrauen. Wie die zahlreichen Falter, die den beiden Finalisten beim Aufwärmen zugesetzt hatten, schwärmten die Gastgeber zunächst aus. Aggressiver als in jedem ihrer sechs Auftritte zuvor bedrängten die Franzosen die Portugiesen, die damit sichtbar Probleme hatten und immer wieder schnell den Ball verloren.

Schon nach sieben Minuten dann eine Schlüsselszene: Payet rauschte aus vollem Lauf in einen Zweikampf mit Ronaldo, knallte mit seinem Oberschenkel gegen das linke Knie des dreimaligen Weltfußballers. Ronaldo krümmte sich unter Schmerzen am Boden, der englische Schiedsrichter Mark Clattenburg ließ jedoch weiterlaufen. Für Ronaldo allerdings war in diesem Moment das nächste Finaldrama nach dem 0:1 im Endspiel der Heim-EM 2004 gegen die Griechen schon perfekt.

Bittere Tränen des Leaders
Zweimal ließ sich der Superstar von Real Madrid behandeln, weinte bittere Tränen, versuchte es mit einem Tape-Verband nochmal, aber es ging einfach nicht mehr. In der 25. Minute musste sich der EM-Rekordspieler in seinem 21. Einsatz bei Europameisterschaften auf einer Trage vom Platz bringen lassen, Ricardo Quaresma ersetzte ihn. Die ganz auf Ronaldos geniale Momente zugeschnittene Taktik von Trainer Fernando Santos war damit dahin.
Cristiano Ronaldo wird verletzt vom Spielfeld getragen, sein Trainer Fernando Santos versucht ihn zu beruhigen.

Das Team um Bayern Münchens Neuzugang Renato Sanches, der im Alter von 18 Jahren und 327 Tagen als jüngster Spieler in einem EM-Finale auflief, stand ohnehin unter Dauerdruck. Auch der zuvor verletzte Abwehrchef Pepe und der im Halbfinale gesperrte Mittelfeldspieler William Carvalho hatten reichlich Mühe mit dem Ansturm der Franzosen.

Griezmann und Giroud geben den Müller
Top-Torjäger Antoine Griezmann und Sturmpartner Olivier Giroud hatten schon in der 10. Minute mit Kopfbällen Portugals Torhüter Rui Patricio ins Schwitzen gebracht. Angetrieben wurden die Hausherren in dieser Phase vor allem vom überragenden Moussa Sissoko. In der 34. Minute hatte Sissoko die Führung auf dem Fuß, scheiterte aber nach feiner Drehung an Rui Patricio.

Allmählich aber fassten die Portugiesen nach dem Ronaldo-Schock wieder Mut. Weil die Franzosen es nun etwas an der Präzision im Aufbauspiel vermissen ließen, verlor die Deschamps-Elf zunehmend an Schwung. Spätestens jetzt wussten die Gastgeber, dass diese Partie trotz der Serie von drei Siegen in drei großen Turnierspielen gegen Portugal kein Selbstläufer werden würde. In den EM-Halbfinals von 1984 und 2000 und zuletzt im WM-Halbfinale 2006 hatten stets die Franzosen die Oberhand behalten.

Kunstpause hilft Portugal
Diesen Fluch des Scheiterns wollten die Schützlinge von Coach Santos endlich loswerden. Nach dem Pausenpfiff wirkten sie deutlich sicherer und hatten nun auch mehr Ballbesitz, weil sie von den Franzosen nun nicht mehr so forsch in der eigenen Hälfte attackiert wurden.
Trauer der Portugiesin nach Ronaldos Aus: Aber wer zuletzt lacht ...

Mit der Einwechslung von Bayern-Flügelspieler Kingsley Coman versuchte Deschamps, der Équipe tricolore wieder mehr Esprit zu verleihen. Prompt fand Coman mit einer Flanke den Kopf des lange unauffälligen Griezmann, der jedoch den Ball aus sechs Metern über das Tor setzte (66.).

Strafe für Chancenmord
Giroud fand in der 75. Minute ebenso seinen Meister im glänzenden Rui Patricio wie Sissoko mit seinem Klasse-Fernschuss neun Minuten später. Als dann auch der eingewechselte André-Pierre Gignac in der Nachspielzeit am Pfosten scheiterte, ging es in die Verlängerung. Inzwischen wurde es historisch: Noch nie war ein EM-Finale nach 90 Minuten torlos geblieben.

Nun kam auch Ronaldo zurück aus der Kabine, feuerte seine Kollegen an. Und es half. Die Portugiesen waren nun das etwas mutigere Team. Beim Latten-Freistoß des Neu-Dortmunders Raphael Guerreiro in der 108. Minute hatten die Franzosen noch Glück. Doch dann schlug Eder zu - und mit dem begeisterten Ronaldo jubelte ganz Portugal.

Zweite Finalpleite für Griezmann
Antoine Griezmann brauchte schon wieder Trost. Der EM-Torschützenkönig verlor nur 43 Tage nach der Niederlage im Endspiel der Champions League das EM-Finale mit Frankreich gegen Portugal. Das widerfuhr bislang nur einem Spieler: Michael Ballack. Der langjährige deutsche Nationalmannschaftskapitän unterlag 2008 im Finale der europäischen Meisterklasse mit dem FC Chelsea gegen Manchester United im Elfmeterschießen. Danach verpasste er mit der DFB-Elf im EM-Finale gegen Spanien den Titel.

Griezmann hatte Ende Mai mit Atlético Madrid das Endspiel gegen Real Madrid verloren. Der 25-Jährige hatte dabei einen Strafstoß in der regulären Spielzeit vergeben. Am Ende siegte Real mit Portugals Europameistern Cristiano Ronaldo und Pepe im Elfmeterschießen.

 

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