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Le Havre

Frankreich, Le Havre
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Historische Karte (um 1888)

"Le Havre" ist eine Stadt im Nordwesten Frankreichs in der Region Haute-Normandie im Département Seine-Maritime (76). Am rechten Ufer der Seine gelegen verfügt Le Havre über den zweitgrößten Hafen Frankreichs (nach Marseille), zu dem ein Yachthafen mit 1050 Liegeplätzen gehört. Le Havre hat auch einen Flughafen. Zahlenmäßig ist Le Havre die größte Stadt der Normandie, flächenmäßig die zweite nach Rouen.

Die Einwohner nennt man im französischen les "Havrais".

Geographie
Le Havre liegt am Ärmelkanal, unmittelbar an der Mündung der Seine. Die Seine hat hier eine Breite von über fünf Kilometer. Mit der Stadt Honfleur am (linken) Südufer des Flusses ist Le Havre durch den Pont de Normandie verbunden. Le Havre liegt an der Südspitze der Pays de Caux.

Geschichte
Le Havre ist eine relativ junge Stadt, da sie erst im Jahre 1517 auf Anregung des Admirals Bonnivet als Kriegshafen erbaut wurde - die offizielle Gründungsurkunde des Königs Franz I. für das damalige Franciscopolis stammt vom 8. Oktober 1518. Der spätere Name Le Havre-de-Grâce war Pate für den Ort selben Namens im Harford County in Maryland, USA. Im Mittelalter bestanden hier nur kleine Fischer- und Bauerndörfer, während der Haupthafen der Region in Harfleur lag. Der neue Hafen Le Havre sollte dem wachsenden Überseehandel gerecht werden, aber durch seine Befestigung auch der militärischen Sicherung der Seinemündung dienen.

Die Bedingungen in der von Sümpfen umgebenen Siedlung waren allerdings alles andere als optimal, zumal die junge Stadt 1525 Opfer einer schweren Sturmflut wurde, die rund hundert der damals 600 Bewohner das Leben kostete. Dennoch blühte die Stadt bald auf, wozu nicht zuletzt die 1524 erbaute Werft beitrug. Auch als Heimathafen einer Fischereiflotte gewann die Stadt an Bedeutung, zudem war sie Ausgangspunkt mehrerer Forschungs- und Entdeckungsreisen. Mit dem Bau der Kathedrale wurde 1536 begonnen, seit 1541 erhielt die Stadt nach den Plänen des Italieners Girolama Bellarmato mit Rechteckgrundriss und modernen Bastionen das Gesicht einer frühneuzeitlichen Planstadt. Die Hugenotten fanden in der Stadt nach 1560 viele Anhänger, was eine militärische Reaktion der Katholiken provozierte (siehe: Hugenottenkriege), allerdings erhielten die Protestanten Le Havres auch Unterstützung durch England, das 6.000 Mann unter dem Kommando des Grafen von Warwick schickte, der hier das Fort Warwick erbauen ließ, ohne sich allerdings lange halten zu können.

Nach der Vertreibung der Engländer ließ König Karl IX. das Fort schleifen. Kardinal Richelieu ließ dann im 17. Jh. vier neue Bastionen anlegen, außerdem erhielt Le Havre ein Arsenal. 1650 wurden in der neuen Zitadelle der Stadt führende Vertreter der Fronde inhaftiert. Unterdessen richtete die französische Indienkompanie in Le Havre ihren Sitz ein, das nicht zuletzt vom Sklavenhandel profitierte. Auch der Beschuss durch die englische Marine 1694 konnte diesen Aufschwung kaum stören, auch wenn dabei 300 Häuser zerstört wurden. Der Besuch der Madame de Pompadour kostete die Stadt dann 1749 noch einmal enorme Summen. 1759 kam es während des Siebenjährigen Krieges erneut zu einem Angriff der Engländer. Dennoch wächst die Stadt, in der sich bald auch eine Tabakmanufaktur befand. Ludwig XVI. genehmigte 1786 einen Ausbau der Stadt, der dessen Fläche vierfachte, die Einwohnerzahl betrug 1789 etwa 20.000, in dieser Zeit wurde auch das Theater der Stadt erbaut. Die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika beförderte den Handel zusätzlich, sodass Le Havre, nach Nantes, zum zweitgrößten Hafen Frankreichs aufstieg.

Die Kontinentalsperre brachte dann allerdings eine langjährige Krise mit sich, die erst durch die Restauration 1815 ein Ende fand. Die hygienischen Verhältnisse hielten mit dem wieder einsetzenden Wachstum nicht Schritt, zumal die beginnende Industrialisierung die Entstehung größerer Armenviertel begünstigte, in denen Cholera- und Typhusepidemien an der Tagesordnung waren. Das reiche Bürgertum konnte sich dagegen den Bau repräsentativer Stadtpalais leisten. In der ersten Hälfte des 19. Jhs. wurde Le Havre auch Sitz einer Börse.
Strand/ Seebad von Le Havre
Die Einrichtung einer Gasversorgung (1836) und einer Kanalisation (1844) verbesserte die Lage auch für weite Teile der Bevölkerung. 1841 ist Le Havre bereits Heimathafen von 32 Dampfschiffen, 1847 erhält die Stadt einen Eisenbahnanschluss. Anfang des 20. Jhs. ist Le Havre Europas größter Kaffeeimport-Hafen, auch Baumwolle wird in immer größeren Mengen aus der Neuen Welt angeliefert, während zugleich eine vermehrte Auswanderung in die USA zu beobachten ist.

Trotz der Industrialisierung wurde Le Havre zunehmend auch als Kur- und Erholungsort genutzt, wozu vor allem die großzügige Anlage von Boulevards während der Belle Époque beitrug. Zugleich nahm die politische Agitation der Arbeiterschaft zu, die sich in Streiks und im Aufstieg der sozialistischen Parteien zeigte.
Nachkriegsarchitektur im Stadtzentrum
Der Erste Weltkrieg kostete 6.000 Einwohnern der Stadt das Leben - auch wenn die Stadt selbst zu weit von der Front entfernt war, um Schäden zu erleiden. Le Harve diente vor allem als Nachschubhafen für die Engländer, wobei deutsche U-Boote hier mehrere Schiffe versenkten. 1922 und 1936 kam es noch einmal zu massiven Streiks, und die wirtschaftliche Situation verschlechterte sich weiter durch die Krise nach 1929. Der Bau von Erdölraffinerien konnte daran wenig ändern. 1940 zogen im Zweiten Weltkrieg deutsche Truppen in Le Havre ein, stationierten eine Garnison von 40.000 Mann und bauten den Hafen im Rahmen des Atlantikwalls zu einer schweren Festung aus. Insbesondere die jüdische Bevölkerung, darunter der Bürgermeister, war schweren Repressionen ausgesetzt, allerdings wurde hier auch die Résistance aktiv, insbesondere nach der Landung der Alliierten in der Normandie. Die Stadt war insgesamt 132 Bombenangriffen ausgesetzt, wobei den massivsten die Briten am 5. und 6. September 1944 flogen; er kostete 5.000 Menschen das Leben und zerstörte 12.500 Gebäude.
Kulturzentrum von Oscar Niemeyer

Nach dem Krieg wurde Le Havre nach den Plänen des Architektenbüros Auguste Perret in der Sprache moderner Betonarchitektur wiederaufgebaut. Das Rathaus und die Kirche St. Josef wurden nach seinen Plänen gebaut. Von 1972 bis 1978 wurde von Oscar Niemeyer ein Kulturzentrum errichtet, das «"Maison de la Culture du Havre"», das wegen seiner Form eines abgeschnittenen Vulkankegels auch «le volcan» genannt wird., DoCoMoMo, 2006 (englisch)

Durch den Wandel der Industrie, insbesondere auch durch die Ölkrise der 70er Jahre, hat die Stadt einige wirtschaftliche Schwierigkeiten mitgemacht, wodurch die Bevölkerung seit 1975 um 12 % zurückgegangen ist.

ehenswürdigkeite
Kirche St. Joseph
Der Turm von St. Joseph von Innen
"Pont de Normandie" Brücke über die Seine
*"Stadtkern:" Der Stadtkern von Le Havre wurde nach Plänen des Architekten Auguste Perret von 1945 bis 1954 wieder aufgebaut. Mit einem Team von 60 Architekten entwarf er lange Straßenachsen und breite Boulevards, gesäumt von Häusern in getöntem Beton, mit Kolonnaden und klarer, einfacher Ornamentik.

Der von Perrets Archtitektengruppe wiederaufgebaute Stadtkern mit seiner charakteristischen modernen Betonarchitektur wurde als einziges Stadtensemble des 20. Jahrhunderts in die Liste des UNESCO-Welterbe aufgenommen (im Juli 2005).
*"Kirche St. Josef:" die das Stadtbild beherrschende Kirche St. Josef wurde nach Perrets Plänen zwischen 1951 und 1956 aus Beton errichtet, und im Folgejahr eingeweiht. Die Kirche gilt als Meisterwerk des Architekten. Den Baukörper bildet ein durch tausende Glasbausteine farbig ausgeleuchteter 107 m hohen Betonturm. Der Kirchturm, durchaus in der Tradition der Beinhäuser des 1. Weltkriegs, erinnert an die Zerstörung, aber auch an einen Leuchtturm.
*"Rathaus:" Das Rathaus wurde ebenfalls von Perret entworfen. Es wird von einem 72 Meter hohen Turm überragt und steht an der Nordseite des größten Rathausplatzes Europas.
*"Kulturzentrum:" entworfen von Oscar Niemeyer, am Bassin du Commerce
*"Musée des Beaux-Arts André Malraux:" 1961 am Meeresufer errichtet, zeigt bildende Kunst des 16.-21. Jahrhunderts, mit dem Schwerpunkt auf Werken von Eugène Boudin und anderen Meistern des Impressionismus.
*"ehemaliger Justitzpalast:" ein Renaissancebau, heute als "Naturkundliches Museum" genutzt
*"Kathedrale Notre-Dame:" 16. Jahrhundert, ist neben dem Justitzpalast das einzige aus der Vorkriegszeit erhaltene Gebäude im Zentrum

*Pont de Normandie: 1988 bis 1994 nach den Plänen von Michel Virlogeux erbaut. Le Pont de Normandie (Die Brücke der Normandie), in der Nähe von Le Harve, ist mit einer Spannweite von 856 m die größte Schrägseilbrücke Europas. Die Bücke führt über die Mündung der Seine und verbindet Le Havre (Haute-Normandie) mit Honfleur (Basse-Normandie).
Wirtschaft

Le Havre ist ein Zentrum der Petrochemie mit zahlreichen Raffinerien und hängt stark von seinem Seehafen ab, der einer oder der größte Frankreichs ist. Darüber hinaus hat der Schiffbau Bedeutung sowie die Nahrungsmittelindustrie. Vor den Toren der Stadt befindet sich in Sandouville eines der größten Werke des Automobilherstellers Renault sowie entsprechende Zulieferindustrie. Hier werden die Modelle Laguna, Vel Satis und Espace hergestellt (Stand 2006).
Containerterminal im Hafen von Le Havre
Im Sommer 2008 eröffnete im aufgegebenen Hafenbereich der Docks Vauban „Les Bains des Docks“, ein von Jean Nouvel entworfenes Erlebnisbad. Gleich daneben gelegen entsteht derzeit ein Einkaufszentrum und unweit davon ein neues Wohnviertel, das „Quartier Saint-Nicolas de l"Eure“.

Verkehr

*"Öffentlicher Nahverkehr:" Wie viele andere französische Städte auch, wird Le Havre seinen Öffentlichen Nahverkehr deutlich aufwerten und bis 2012 ein hochmodernes Straßenbahnsystem aufbauen.

*"Hafen": Der Hafen schlägt 60% der französischen Im- und Exporte von Frachten in Containern um.

ersönlichkeite



"Söhne und Töchter:"
Charles Alexandre Lesueur gemalt von Charles Willson Peale, 1818.
*Georges de Scudéry (1601-1667), französischer Schriftsteller
*Madeleine de Scudéry (1607-1701), französische Schriftstellerin
*Jacques-Henri Bernardin de Saint-Pierre (1737-1814), Schriftsteller
*Charles-Alexandre Lesueur (1778-1846), französischer Naturforscher, Entdecker und Maler
*Frédérick Lemaître (1800-1876), französischer Schauspieler
*Gustave Chouquet (1819-1886), französischer Musikwissenschaftler
*Léon Prévost (1831-1877), Komponist
*Louis Bachelier (1870-1946), Mathematiker
*Raoul Dufy (1877-1953), französischer Maler
*André Caplet (1878-1925), französischer Komponist
*Othon Friesz (1879-1949), französischer Maler
*René Coty (1882-1962), französischer Politiker und Staatsmann, 17. Präsident der Französischen Republik
*Arthur Honegger (1892-1955), französischer Komponist und Dirigent
*Armand Salacrou (1899-1989), französischer Künstler
*Germaine Cernay (1900-1943), Mezzosopranistin
*Georges Limbour (1900-1970), französischer surrealistischer Schriftsteller, Kunstkritiker
*Jean Dubuffet (1901-1985), französischer Maler, Bildhauer und Philosoph
*Raymond Queneau (1903-1976) französischer Schriftsteller
*Émile Marcelin (1906-1954), französischer Komponist
*Bernard Heuvelmans (1916-2001), belgisch-französischer Zoologe, Begründer der Kryptozoologie
*Paul Frère (1917-2008), französischer Rennfahrer, Journalist und Buchautor
*Jacques Albrespic (1922-1987), französischer Komponist und Organist
*Jerome Le Banner (*1972), französischer Kampfsportler
*Samuel Contesti (*1983), französischer Eiskunstläufer


"Personen mit Bezug zur Stadt:"

*Claude Monet (1840-1926), französischer Maler, lebte ab dem fünften Lebensjahr in Le Harve

Städtepartnerschaften
* Aydin, Türkei
* Dalian, China
* Pointe-Noire, Republik Kongo
* Sankt Petersburg, Russland
* Southampton, Vereinigtes Königreich
* Tampa, USA


*Osaka in Japan, mit Osaka besteht eine Hafenpartnerschaft

Quellen



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