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Die Iren des Kaukasus

Deutschland
Von Jürgen Herda   auf Facebook posten  Auf Twitter posten  
Die nachbarschaftliche Zwickmühle der christlichen Armenier am äußersten Ende Europas
Beginnen wir mit einer gewagten These. Einer sehr gewagten These. Die Armenier sind die Iren des Kaukasus. Da steht es nun, Schwarz auf Weiß. Aber wie kam es dazu? Ein paar dürre Fakten: Ähnlich wie die Iren trotzköpfig ihren Katholizismus gegenüber den anglikanisch-britischen Besatzern verteidigten, bestanden die Armenier ausgerechnet in Mitten der türkisch-persischen Schlachtfelder auf ihre christliche Tradition. Schließlich wollen sie die ersten gewesen sein, die 301 das Christentum zur Staatsreligion erhoben. Zweitens gibt es in der weiten Welt mehr Armenier als im kleinen Rumpfarmenien, da ihnen die bösen Nachbarn nur noch den kärglichen Rest der Größe Brandenburgs ließen – und galten nicht bis dato die Iren als unbestrittene Exilweltmeister?
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Geschenkt, dass Armenier wie Iren gerne feiern, singen und äußerst gastfreundlich sind. Fehlt nur noch, dass die 3,2 Millionen Armenier in die EU aufgenommen werden und dort als High-Tech-Outsource-Stätte eine ähnlich steile Karriere hinlegen, wie die die 4,2 Millionen Iren vor der Finanzkrise. Verdient hätten es die sympathischen Pechvögel am äußersten Ostende Europas – oder am äußersten Westende Asiens –, die, wie einst Irland, zu den ärmsten Völkern des Kontinents zählen.
Land der Klöster: Das Christentum wurde in Armenien noch im Jahr 301 zur Staatsreligion erklärt.

Die wirtschaftliche Not ist freilich anders als in Irland nicht einer verheerenden Kartoffenernte und dem anschließenden Versagen der britischen Behörden geschuldet, sondern dem aserbaidschanisch-türkischen Wirtschaftsembargo – als Folge des Konflikts um die autonome Region Berg-Karabach – und einem verheerenden Erdbeben von 1988, dessen Folgen in einigen Regionen bis heute nicht gänzlich aufgearbeitet werden konnten.

Mächtige Gipfel
Natürlich lassen sich – vorsichtig formuliert – auch einige deutliche Unterschiede zwischen dem West- und dem Ostaußen feststellen. Armenien liegt definitiv nicht am Meer, no way: Das heutige Ländchen ist eine ringsum landumschlossene Republik im südlichen Kaukasus, wo es im Norden an Georgien, im Osten an Aserbaidschan, im Süden an den Iran und die aserbaidschanische Exklave von Nachitschewan sowie im Westen an die Türkei grenzt. Und so schön grün die irischen Hügel auch sein mögen, gegen die mächtigen armenischen Gipfel kommen sie nicht an. 90 Prozent der Landesfläche liegen höher als 1000 Meter über dem Meeresspiegel, im Landesschnitt befindet man sich sogar auf 1800 Metern Höhe – und damit noch einige hundert Meter über dem höchsten irischen Berg, dem 1041 Meter hohen Carrauntoohil. Richtung Norden läuft man tendenziell bergauf – bis zu den 3000 Meter hohen Ausläufern des Kleinen Kaukasus hoch. Der erloschene Vulkan Aragaz unweit des biblischen Ararat, wo einst die Arche Noah gestrandet sein soll, bringt 4090 Meter auf die Messskala. Nicht nur politisch im Keller ist die Stimmung im Verhältnis zur Türkei – auch der tiefste geographische Punkt liegt rund 380 Meter hoch am Ufer des Aras an der Grenze zum großen Nachbarn.
Blick auf Sewansee.

Grundsätzlich verlangt die moderne Welt ein hohes Maß an Anpassungsfähigkeit und Flexibilität – im geologischen Sinn gilt diese Regel freilich nicht, weshalb man in Armenien zuweilen unruhig schläft. Das Faltengebirge, das durch den Zusammenstoß der europäischen mit der Arabischen Platte entstand, ist nach wie vor in Bewegung und daher stark erdbebengefährdet. Auf einer Höhe von 1900 Metern östlich der Hauptstadt Eriwan befindet sich Armeniens größter See, der 940 Quadratkilometer große Sewansee. Aras, Worotan, Kasach, Hrasdan und Debed heißen die wichtigsten und längsten Flüsse des Landes. Klimaforscher finden in Armenien ein spannendes Laboratorium vor: Theoretisch befindet sich das Land zwar in subtropischen Breiten. Die beträchtlichen Höhenunterschiede sorgen aber für sehr unterschiedliche regionale Klimazonen. In den Tälern herrscht kontinentales Klima mit Sommertemperaturen von über 30 °C vor. Die Bergregionen sind naturgemäß etwas kühler, dagegen steigt die Temperatur Richtung iranischer Grenze rapide an.

Armenische Aprikose
Die artenreiche Republik Armenien ist auf eine Landesfrucht besonders stolz: Immerhin tauften römische Naturforscher nicht von ungefähr die dort verbreitete Aprikose „Prunus armeniaca“, also „armenische Pflaume“. Grund genug für die Staatsgründer, die Farbe des Nationalobstes im untersten Streifen der Flagge aufzunehmen. Karl May, der bekanntlich auf der Suche nach dem Geheimnis des langen Lebens der Kaukasier die Region durchstreifte, hatte seine helle Freude an allem, was in Armenien kreucht und fleucht: Die Armenische Felseidechse gilt unter Fachleuten als Besonderheit, Giftschlangen fühlen sich im trocken-heißen Klima im Südosten pudelwohl. Schakale und Nerze in den Steppen, Syrische Braunbären, Wildkatzen und Wölfe im Gebirge sorgen für Wildweststimmung. Im Naturschutzgebiet Chosrow schleichen nebst Luchsen auch noch einige Kaukasische Leoparden herum. Und auch Adler kreisen auf der Suche nach geeigneten Leckerbissen.
Armeniens Symbol: Prunus armeniaca.
Längste Seilbahn der Welt führt zum Kloster Tatew.

Die Familie steht im Zentrum des Lebens der drei Millionen Armenier, als welche sich 97,9 Prozent der Bevölkerung verstehen. Der zweiprozentige Rest setzt sich aus Kurden, Russen, Molokanen und Assyrern zusammen. Trotz der bis 1990 sowjetisch verordneten Emanzipationspolitik blieben die Familienstrukturen patriarchalisch. Eine Sonderstellung genießt die hoch geachtete Familienälteste, die als nominelles Familienoberhaupt die Geschicke der Sippe lenkt. Überhaupt, der Jugendwahn hat das Land glücklicherweise trotz Westfernsehens und Casting-Shows noch nicht ergriffen. Ein junger Manager hat dem älteren Arbeiter gefälligst respektvoll zu begegnen. Rund 94 Prozent der Armenier bekennen sich zur Armenisch Apostolischen Kirche, einer Spielart des orthodoxen Christentums, das eine zentrale, identitätsstiftende Rolle spielt. Daneben können sich die katholische Minderheit, einige Tausend Molokanen, die sich von der russisch-orthodoxen Kirche abspalteten, einige Zeugen Jehovas sowie kurdische Jesiden ungestört religiös betätigen.

Zaghafter Aufschwung

Wirtschaftlich befindet sich das Land, das über die Rohstoffe Kupfer, Bauxit, Gold und Molybdän verfügt, nach Abschluss der Privatisierungsmaßnahmen seit 1994 in einem relativen Aufschwung – der freilich nicht allen Bürgern zugute kommt, die sich im Schnitt mit einem jährlichen Durchschnittseinkommen von 800 Dollar über die Runden kommen müssen. Mit den zweistelligen Wachstumsraten seit 2001 konnte Armenien 2006 gerade einmal die Wirtschaftskraft des Jahres 1988 – vor dem Erdbeben – wiedererlangen. Die wichtigsten Zweige der eher unterentwickelten Industrie sind Maschinenbau und Chemie. Russische Firmen beherrschen den wichtigen Energie- und Telekommunikationssektor. Immerhin stechen die Armenier mit einer Besonderheit hervor: Mit bis zu 30 Prozent wird der Anteil gasbetriebener Fahrzeuge angegeben – zu teuer sind andere Energieträger, von denen man aufgrund des Embargos außerdem abgeschnitten ist. Dagegen versorgt seit 2007 die strategisch bedeutende Iran-Armenien-Erdgaspipeline das Land mit der günstigen Alternative. Die wichtigsten landwirtschaftlichen Erzeugnisse sind Obst, Gemüse und Tabak.

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