Skiurlaub- günstig mit FeWo-direkt
     
Hotelsuche in 
 

Blick in den Rachen des baltischen Tigers

Estland
Von Maria von Stern   auf Facebook posten  Auf Twitter posten  
Der heiße Atem Tallinns – Birkenwälder, Inseln und Seen
Estland ist ein kleines Land – ein bisschen kleiner als Niedersachsen, kaum größer als die Schweiz, Dänemark oder die Niederlande –, das mit rekordverdächtigem Wirtschaftswachstum und stabilen politischen Verhältnissen zu den Musterschülern der EU-Osterweiterung 2004 zählt. Wir schauen dem „baltischen Tiger“ in den Rachen. Dabei entdecken wir nicht nur den heißen Atem der Boomstadt Tallinn, sondern auch die wilde Schönheit der estischen Natur: Birkenwälder und Seen, Hirsche, Elche, Wölfe. Und Schneehasen.
Galerie
Die Esten standen Jahrhunderte lang unter der Knute fremder Großmächte, der Deutschen, Schweden und Russen. An Schulen und in Ämtern wurde nicht estisch gesprochen, sondern deutsch, bis eine Kampagne der zaristischen Regierung im Jahr 1885 alle auf Russisch umpolte. Doch die in ganz Europa populäre Idee, eine eigene Identität und eine eigene Nation zu behaupten, riss auch die Esten mit – allen voran die Studenten der Universität in Tartu. Sie gründeten den Eesti Üliõpilaste Selts (Verein Studierender Esten) und bereiteten die Autonomie vor, die mit der Oktoberrevolution und dem Zerfall des Russischen Reiches möglich wurde. Am 24. Februar 1918 erklärte Estland seine Unabhängigkeit.

Allerdings: Um die scherte sich im Zweifelsfall niemand. Im Hitler-Stalin-Pakt von 1939 hatten die beiden Diktatoren Europa untereinander aufgeteilt. Das Baltikum, bestehend aus Litauen, Estland und Lettland, sollte in den sowjetischen Einflussbereich fallen. Nazi-Deutschland holte in den Jahren 1939 und 1940 die deutschsprachigen Bürger des Baltikums „heim ins Reich“, bevor sie offiziell Teil der UdSSR wurden.
Die Estnische Sozialistische Sowjetrepublik wurde ausgerufen und als Teil des Generalkommissariats Ostland von 1941 bis 1944 von deutschen Truppen besetzt. Die Genozid-Politik der Nazis wurde in Estland auch unter Mitwirkung von Einheimischen durchgeführt. Das Land war gespalten: die einen kämpften an der Seite der Sowjets, die anderen in den Reihen der Deutschen. Im Herbst 1944 marschierte die Rote Armee ein und vermeintliche sowie tatsächliche Gegner des sowjetischen Systems wurden deportiert. Die schwedisch- und finnischsprachige Bevölkerung, die vor allem auf Hiiumaa (Dagö), Vormsi (Worms) und Ruhnu (Runö) gelebt hatte, verließ das Land. Zwangsumsiedlungen nicht-estnischer Einwohner, insbesondere von Russen, veränderten die ethnische Zusammensetzung des Landes.

Mehrheit und Minderheiten
Die Mehrheit der Bewohner hat estnische Wurzeln (69 Prozent), 26 Prozent ist die russische Minderheit stark, Ukrainer, Weißrussen, Finnen und andere kommen auf ca. fünf Prozent. Die Integration der nichtestnischen Bewohner ist nicht vollkommen gelungen. Esten verfügen im Schnitt über ein höheres Einkommen als die russische Minderheit. Von insgesamt ca. 100.000 Auslands-Esten leben knapp 40.000 in Russland, 35.000 in Kanada und 15.000 in Schweden. Andere größere Gruppen gibt es noch in Finnland, Südafrika und in Australien. Mittlerweile wurde Russisch durch Englisch als erste Fremdsprache ersetzt. Estland sieht sich selbst mehr von den nordischen Traditionen und Vorlieben beeinflusst, als von den sowjetisch-russischen – Skandinavien auf andere Art.
Singende Revolution
Im Jahr 1991 erlangte Estland, das seit Glasnost und Perestrojka an Selbstbewusstsein gewonnen hatte, mit der friedlichen „Singenden Revolution“ seine Souveränität zurück. Im September 2003 stimmten die Esten bei einer Wahlbeteiligung von 64 Prozent mit 66,9 Prozent Ja-Stimmen und 33,1 Prozent Nein-Stimmen für einen Beitritt zu Europäischen Union. Am 2. April 2004 wurde Estland, dessen Streitkräfte circa 12.000 Mann stark sind, Mitglied der Nato. Auch wenn das Ja der Esten zur EU nicht euphorisch war, in Sachen politischer Stabilität, wirtschaftlicher Entwicklung und gesellschaftlicher Standards gilt Estland neben Slowenien als Musterschüler des Integrationsprozesses. Bei den Europawahlen 2007 lag die Wahlbeteiligung bei nur 26,89 Prozent. Davon errangen die Sozialdemokraten 36,8 Prozent (3 Sitze), die Zentrumspartei 17,5 Prozent, die Reformpartei 12,2 Prozent und die Vaterlandsunion 10,5 Prozent (je ein Sitz).
Die meisten Esten sind konfessionslos, nur knapp 30 Prozent bezeichnen sich als religiös. Seit dem 16. Jahrhundert ist Estland ein vorherrschend Evangelisch-lutherisch geprägtes Land (ca. 14 Prozent der Bevölkerung). Die meisten Kirchen des Landes wurden von Deutschbalten errichtet. Bis zum 19. Jahrhundert waren die Glaubenszentren für die ländliche Bevölkerung die einzige Bildungsquelle. In den Jahrzehnten vor dem Oktoberrevolution und dem Sturz des Zar Nikolaus II. 1917, gab es große Anstrengungen der zaristischen Russen, die Russisch-Orthodoxe Kirche zu popularisieren. Durch den Bau der beeindruckenden Newski-Kathedrale  in Tallinn, wollten sie ein sichtbares Zeichen ihrer Dominanz gegenüber Estland setzen. Im Zuge der Nationalen Bewegung sollte die Kirche abgerissen werden – glücklicherweise wurde dieser Plan nicht umgesetzt.
In Estland gibt es außerdem zwei orthodoxe Kirchen: die Orthodoxe Kirche von Estland, die seit 1996 unter der dem Einfluss des Patriarchats von Konstantinopel steht, und die Estnische Orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats (insgesamt ca. 13 Prozent der Bevölkerung). Eine Besonderheit sind die etwa 5.000 Mitglieder umfassende Gemeinden der Altgläubigen, die am Peipsi Järv (Peipussee) leben. Sie stammen aus der Spaltung der russisch-orthodoxen Kirche im 17. Jahrhundert, wurden verbannt und leben seither in Estland. Ein Besuch ihrer Kirche von Raja lohnt sich, da sie nur durch Kerzen erleuchtet wird. Die Altgläubigen verzichten bewusst auf Elektrizität.
Am 16. Mai 2007 wurde in Anwesenheit des estnischen Staatspräsidenten Arnold Rüütel feierlich die moderne Synagoge von Tallinn eingeweiht. Vor dem 2. Weltkrieg lag die Synagoge dort, wo jetzt das Warenhaus Kaubamaja liegt. Gegen Ende der 1940er Jahre wurde die Synagoge niedergerissen. Vor dem Krieg existierten auch jüdische Gemeinschaften in Tartu und Valga.
Die UdSSR verordnete während der Besetzung Estlands einen staatlichen Atheismus. Verhaftungen und Deportationen von Gemeindemitgliedern waren an der Tagesordnung. Bekennende Gläubige verloren in dieser Zeit ihren Job.
Überblick
 

 

Kommentare zu diesem Artikel
 
Neuer Kommentar
Name *
Email * (wird nicht öffentlich angezeigt)
Kommentar
* Pflichtangaben
 
Diesen Artikel empfehlen

Absender Empfänger Nachricht (optional)
Name
E-Mail

Name
E-Mail
   
 
 
Tipps der Redaktion aus dem Reiseportal
 
REISEPORTAL
Wer vor der eigenen Urlaubsplanung steht, fragt sich immer wieder, welcher Reiseangebote für einen persönlich die besten sind. Hinzu kommen die vielen Fragen zu den einzelnen Preisen und vor allem auch zu den gewünschten Reisezielen. Allein in
Viel Spaß beim Schmökern im Jahresprogramm der KulTouren 2018, beim Aussuchen und Vorfreuen auf Ihre persönliche Abwechslung vom Alltag. Sie können sich bei Maria von Stern telefonisch unter 0176/91 14 51 81 anmelden, oder per Mail an maria_vonstern@web.de
Die europäischen Fluggesellschaften haben im Laufe der Zeit eine Vielzahl neuer Flugstrecken weltweit aufgebaut. Führende Luftfahrtunternehmen besitzen über 325 Flugstrecken, die täglich internationale und nationale Flüge absolvieren. Auf sechs
Gelsenkirchen (dpa) - Nach nur eineinhalb Jahren kehrt Fußball-Profi Junior Caicara dem FC Schalke 04 wieder den Rücken und schließt sich dem türkischen Erstligisten Medipol Basaksehir FK an. Der Revierclub teilte am Montag mit, dass er sich mit
Allende no se rinde mierda - Allende ergibt sich nicht, Scheiße." Das waren Salvador Allendes letzte Worte, ehe er im Gefecht mit den von der CIA unterstützten Putschisten den Freitod wählte. Der Moment, als der Amberger Siegfried
Die schönsten, größten und besten Casinos in Europa bieten für jeden Geschmack etwas. Ein edles Ambiente, ausgefallene Slotspiele und aufregende Tischspiele gepaart mit ausgefallenen Bars und Restaurants, Konzerten und Multimedia-Shows. Die
 
Tipps der Redaktion aus dem Nachrichtenportal
 
NACHRICHTEN
Für viele deutsche Fußballfans kam die erste Saison der UEFA Nations League überraschend. Viel war nach der schlechten FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018 über die deutsche Mannschaft und deren desaströse Leistungen gesprochen
Bitcoin ist die Kryptowährung mit der weltweit höchsten Marktkapitalisierung (derzeit über 160 Milliarden US Dollar). Wie alle Kryptowährungen basiert Bitcoin auf einem dezentralen Buchungssystem zur Verarbeitung von Transaktionen. Der Coin hat
Die juristische Situation von Glücksspiel ist nicht einfach durchschaubar, sondern durchaus eine eher komplizierte Angelegenheit. Dass das so ist, liegt an der Tatsache, dass das Glücksspielmonopol beim Staat liegt. Diese Stellung regelt der Staat
Es gibt unzählige Krypowährungen, wodurch es für Neulinge auf dem Kryptomarkt schnell unübersichtlich werden kann. Daher haben wir die wichtigsten Kryptowährungen für Sie zusammengefasst und erklären Ihnen, wie, wann und wo Sie diese kaufen sollten. Unser
Kunden, die sich mit Sportwetten auskennen, die online angeboten werden, wissen, dass das Angebot ungemein bei verschiedenen Wettanbietern ist, zu dem 1xBet gehört. Auch wenn dieser keinen großen Namen hat, gehört. er zu den traditionsreichen
Die meisten Menschen sehen sich selbst als rational und gehen bei Entscheidungen faktenorientiert und logisch vor. Der Alltag zeigt jedoch immer wieder, dass das Bauchgefühl eine wichtige Rolle spielt. Selbst wenn zahllose Fakten und Informationen
Wetter

Genf


(15.10.2019 18:07)

0 / 4 °C


16.10.2019
-1 / 3 °C
17.10.2019
-2 / 0 °C
powered by wetter.com
Börsenberichte

Ecken
LÄNDER
STÄDTE
EUROPA-TOUREN

Agenda - The Week Ahea ...
Agenda - The Week Ahea ...

Afghan Farah Governor ...
Ministry Warns Cinema ...

Deutschland ist im Car ...
Preisgelder der UEFA N ...

Spanien immer eine Rei ...
Urlaub an der Mosel od ...

Goldene Stadt an der M ...
Polyphone Power aus Fr ...

© europe online publishing house GmbH, Weiden, Germany, info@europeonline-magazine.eu | Impressum